Die IrakerInnen lehnen nicht nur die Besatzung ab sondern verurteilen auch den Terror!

Friday, 24. September 2004 @ 00:20

Aufruf von irakischen GenossInnen zum 25. 09. 2004

Heute demonstrieren mehrere österreichische und arabische Vereine, Parteien und Organisationen um sich, mit der Ausrede gegen die Besatzung des Irak zu protestieren, mit dem sogenannten irakischen "Widerstand" zu solidarisieren. Diese Organisationen vergessen dabei völlig, dass die bathistische Diktatur Saddam Husseins der Grund für die heutige Situation darstellt. Die desaströse Politik des Bath-Regimes hat den Irak letzlich unter Besatzung gebracht.

Wie alle Menschen wollen auch die IrakerInnen nicht unter einem Besatzungsregime leben. Nach drei Kriegen und Jahrzehnten interner Repression haben die IrakerInnen aber genug von Autoritarismus und Krieg und hoffen nun auf einen Neubeginn. Sie arbeiten auf freie Wahlen hin, die eine eigenständige irakische Regierung mit demokratischer Legitimation hervorbringen soll. Diese Regierung wird noch eine Zeit lang mit den Besatzungstruppen verhandeln müssen, das Land letztlich aber in die völlige Unabhängigkeit führen und nur der irakischen Bevölkerung verpflichtet sein.

Deshalb appellieren wir an die versammelten DemonstrantInnen sich mit der irakischen Bevölkerung zu solidarisieren und gegen den Terrorismus zu protestieren unter dem die irakische Bevölkerung derzeit leidet. Das Köpfen von Journalisten, Arbeitern oder Angehörigen humanitärer Organisationen, Selbstmordanschläge auf ZivilistInnen, Entführungen oder auch nur die Zerstörung von lebensnotwendiger Infrastruktur haben nichts mit „Widerstand“ zu tun, sondern stellen Terrorakte gegen die irakische Bevölkerung dar.

Wir rufen sie dazu auf, die Entwicklung im Irak nicht nur einseitig aus der Perspektive einer europäisch-US-amerikansichen Rivalität zu betrachten, sondern auch die Sicht der irakischen Bevölkerung selbst, in ihre ?oeberlegungen mit einzubeziehen. Bereits bei den Friedensdemonstrationen vor dem Sturz Saddam Husseins 2003 wurde ausschließlich gegen den Krieg demonstriert, während die Freiheit und Würde der irakischen Bevölkerung keine Rolle spielte. Nie wurde in Europa gegen die Diktatur Saddam Husseins und die Verbrechen des Bathismus protestiert.

Diese Verurteilung des verbrecherischen Bath-Regimes und des gegenwärtigen Terrorismus im Irak vermissen wir leider auch in eurem Demonstrationsaufruf.

Assyrische Nationale Partei
Irakische Akademikervereinigung
Irakische Kommunistische Partei
Irakisches Haus
Kommunistische Partei Kurdistans
Organisation für Zivilgesellschaft im Irak
Patriotische Union Kurdistans
Sozialdemokratische Partei Kurdistans


Anmerkung:
Die irakischen Genossinnen und Genossen von der IKP und der KP Kurdistans wollten diese kritische Stellungnahme auf der ASF-Homepage veröffentlichen. Der ASt (ArbeiterInnenstandpunkt) erhob sofort Einspruch, da die unterzeichnenden Parteien "Teil der amerikanischen Besatzungspolitik" wären und denen deshalb auf den Sozialforen keine Publiziermöglichkeit geboten werden soll. Dass die unterzeichnenden Gruppen Gegner einer Bande, die sich "al-Mahdi-Armee" nennt, sind, wurmt den ASt ebenfalls. Dass linke, fortschrittliche und kommunistische Parteien nichts mit Gotteskriegern a la Muqtada al-Sadr zu tun haben wollen, will diese antiimperialistische Sekte partout nicht zur Kenntnis nehmen. Das Ermorden von ausländischen Zivilpersonen und vor allem von irakischen "Kollaborateuren" und die Zerstörung von Infrastruktur verklärt der ASt zum "Widerstand". Alles und jeder, egal ob Glaubenskrieger oder säkularer Nationalist, wird unterstützt, Hauptsache es geht gegen die USA und Israel. Der ASt nimmt wahrscheinlich einzig aus opportunistischen Gründen nicht an der "blutrünstigeren" Demoversion am 25.09. teil. Doch inhaltlich geht die Gruppe konform mit den Veranstaltern der Intifada-Demo und deren Verherrlichung von "Freiheitskämpfern", die für Gott und Heimatland, aber nicht für Demokratie und schon gar nicht für Sozialismus kämpfen.



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