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BLEIBURG ALS SPIEGEL DER ZEIT   
Friday, 1. April 2005 @ 15:10

Dogmatische PositionenZum sechzigsten Jahrestag der Befreiung ?-sterreichs vor dem Faschismus, ein Anlass, den man ohnehin dazu benützt hat, nonchalant die Befreier, aber auch da nur die russischen, zu Besatzern zu verklären, zu diesem wichtigen �Jahrestag� also lässt man es zu, dass hier vor Ort, in Bleiburg, ein monumentales Faschistendenkmal aus der Asche neu ersteht.

Nicht dass der Moment ein schlechter wäre, die Schlächter von gestern auf diese Art zu beehren � ein jeder Zeitpunkt für solch skandalöse Unterfangen ist unangepasst! Die Politiker sehen darüber hinweg; die Medien verhalten sich übermäßig ruhig; der ?-ffentlichkeit scheint es egal. Dafür freut es die Faschismusnostalgiker umso mehr. Bleiburg, oder Pliberk, wie es die ansässigen Slovenen nennen, ist ein kleiner österreichischer Ort, wo ein großer Mythos der Faschisten zum ebenso runden wie verwässerten Jahrestag Wirklichkeit wird.

Leider gibt es sie noch, die Ewiggestrigen, die von den angeblich �guten alten Zeiten� schwärmen, als die Politik noch �völkisch� und antisemitisch war, die Erziehung klerikal und �rassisch�, und die Wirtschaft militärisch arbeits-schaffend und kurzum barbarisch: slawische Zwangsarbeit und jüdische Menschenverwertung zur Herstellung von Seife. Faschismus hieß diese Zeit, geschmacklos und horrend wie sie war, und Abermillionen von Leichen waren ihre traurige �Erfolgsbilanz�. Bloß, niemand wollte es gewusst haben, lautete es dann plötzlich nach dem Krieg, und keiner sei dabei gewesen. Daher versuchte man, gleichsam als Notlösung, die moralische Armut des Faschismus durch das deutsche Wirtschaftswunder oder den österreichischen Sozialstaat zu überwinden.

Heute, da beide an ihre immanenten Grenzen stoßen, ist nach bereits vollendeter Entnazifizierung der blutbefleckten Einzelpersonen, von Krupp über Rendulic bis Gehlen, auf einmal wieder modern geworden, die faschistischen Greueltaten zu verharmlosen, aus Tätern gar Opfer zu machen, mit einem Wort, Geschichtsverfälschung zu betreiben! Bleiburg, wie sich herausstellen wird, ist ein Musterbeispiel dafür. Das Ewiggestrige empfiehlt sich da als recht halb so schlimme Tradition, wie nichts weiter als ein politisches Kavaliersdelikt. Die gebildeten Leute sprechen, bürgerlich schockiert von nackten Fakten, kontextlos und in Arendtscher Manier von der Banalität des Bösen � anstatt von seiner Rationalität und kranken Pragmatik, also von Hass und Massenmord, gezielt geschürt, mit �Gottes Segen�, und bestens organisiert.

Noch leidlicher ist es ja, dass die zeitgenössischen Verehrer von faschistischen Führern und deren todbringenden Kraftideologien heute erneut salonfähig werden und oft sogar Regierungen bilden. Faschisten seien sie selbst keine, beteuert man hochheilig; sie feiern bloß Faschisten und setzen ihnen Denkmäler, rein symbolisch sozusagen. Aber, wie sich bei leichtfertigem Geschwafel leicht entpuppt, Symbole haben es so an sich, etwas zu bedeuten � sonst gäbe es keine. Und auch in Bleiburg wird man solchen Beitrag leisten, denn er fügt sich, nach dem Bau eines Luxushotels bei Hitlers Residenz am Obersalzberg, gut und problemlos ein in die allgemeine Lage. In Italien kandidieren die Neofaschisten Fini und Enkelin Mussolini. In Estland erbaut die Regierung dreist Statuen für die fragwürdigen �Helden� der Waffen-SS, deren Verdienste Metzgerdienste waren. In ?-sterreich ohnehin nichts Neues: da gehen freiheitliche Vertreter zu den Treffen selbstherrlicher Wehrmachtsveteranen, um die �frohe Botschaft� von Blut und Boden zu verkünden. In Kroatien existiert weniger Bescheidenheit diesbezüglich. Man hat gleich auch Hymne, Flagge, Währung sowie Straßen- und Parlamentsnamen aus den Tagen des faschistischen Terrors unmittelbar übernommen. Es geht, wie man sieht, um historische Kontinuität...
*
Damit wäre in Umrissen einleitend gesagt, in was für einer Atmosphäre des selbstverständlichen Wahns das faschistische Ustascha-Denkmal in Bleiburg stillheimlich sein Unwesen treibt. Bleiburg bzw. Pliberk ist ein Städtchen in Kärnten bzw. Koro�ka, in dem der Sozialdemokrat Stefan Visotschnig als Bürgermeister amtiert. Seit 1953 herrscht in seiner Gemeinde ein alljährlicher Nazi-Tourismus. Dagegen hat er jedoch nichts einzuwenden, da dies offensichtlich förderlich für die Gastwirtschaft sei � in erster Linie praktisch, also gut für den Verkauf von Getränken und Wiener Schnitzeln. Auch offiziell gab Visotschnig seine plump peinliche Einverständniserklärung für ein laufendes Projekt, den faschistischen Wallfahrtsplatz der Ustascha-Anhänger auszubauen, neben ?-BB-Schienen und Landstraße zu verlegen, um es zugänglicher und sichtbarer zu machen. Man muss eben begreifen � es handelt sich wohl um die �magische Kraft� der Schnitzel.

Landeshauptmann Jörg Haider und der Kärntner Heimatdienst unterstützen den Schandfleck natürlich. Die kroatische Regierung hat zum besagten Zwecke eigens ein Budget von einer Viertel Million Euro zur Verfügung gestellt, und zwar nicht irgendwem, sondern einem Bund treuer Exilfaschisten, d.h. dem �Klub kroatischer Heimkehrer aus der Emigration�, welcher überdies selbst Spenden in Argentinien, Kanada und Australien gesammelt hat. Das ekelerregende Fazit: auf 14.230 m2 soll diese Gedenkstätte sakraler Natur nun aufgestellt werden � voraussichtlich findet Mitte Mai ihre Inauguration statt, mit kroatischen Regierungsmitgliedern und einer katholischen Messe für die Ustascha. Während der österreichische Staat heuchlerisch wie taktisch keine Position bezieht, geben sich der Ministerpräsident Kroatiens, Ivo Sanader, und der beauftragte Treuhänder Ilija Abramović �in Sache Bleiburg� sichtlich zufrieden: alles sei legal und harmlos.

Anders sehen es, vor allem inoffiziell, die Mitglieder der serbischen Gemeinde, welche sich nach Außen dazu nicht einmal äußern traut, aus Angst, man könnte �noch unbeliebter� werden. Die österreichischen Widerstandskämpfer protestieren erfolglos dahin, und der Vorsitzende des Kärntner Partisanenverbandes, Peter Kuchar, sträubt sich, die unerhörte Lüge von den faschistischen Opfern dort einfach einzementieren zu lassen. Dem Obmann des Zenralverbandes der Kärntner Slovenen, Marjan Sturm, ist die ganze Geschichte, damals geschrieben im Blut vieler seiner Landsmänner, ebenso wenig recht � Massenmörder zu rehabilitieren, das findet jedoch auch die unbedeutende Kommunistische Partei grauenhaft und der Empörung wert. Der Rest ?-sterreichs hüllt sich, gerade jetzt, wo sechzig Jahre der Niederschlagung faschistischer Regime anstehen, in ein tiefes Schweigen, das zu denken geben sollte. Das Interesse für Bleiburg scheint nicht vorhanden. Kein Wunder. Die Vergangenheit ist immer nur dann ein lästiges Geschäft, wenn sie sich als schmutzig erweist.

Die Frage drängt sich nunmehr auf: warum Bleiburg, und wer sind überhaupt die Ustascha? Warum gerade in Kärnten ein Denkmal und nicht in Dalmatien? In Bleiburg übergaben sich 40.000 Ustascha-Soldaten den britischen Behörden, in der Hoffnung man würde sie, wie viele andere faschistische Kameraden, gleichfalls freilassen. Als man sie allerdings den Partisanen übergab, antworteten sie mit einem fabrizierten Mythos, der forensischen Funden und historischen Tatsachen widerspricht � man erfand das Massaker von Bleiburg.
Und wer, oder eher was, sind die Ustascha? Kroatien wurde am Mitte April 1941 zum ersten Mal unabhängig. Der dortige faschistische Führer Ante Pavelić, wegen des Doppelmordes von 1934 am jugoslavischen König Aleksandar und französischen Außenminister Barthou in Abwesenheit zu Tode verurteilt, genoss jedoch beim Papst Pius XII große Beliebtheit. So wurde Pavelić von ihm schon im Mai, nach der Errichtung des Ustascha-Staates, die die Einverleibung Nordserbiens und Bosniens bedeutete, im Vatikan samt seinen Ministern und lokalen Kirchenoberhäuptern herzlich empfangen, mit den liebsten Wünschen �für die weitere Arbeit�. Auch Hitler, Mussolini und Franco waren seine Verbündeten. Pavelić stellte sich dennoch als besonderes Monster heraus. Innerhalb von nur sechs Wochen wurden schon die Hälfte aller kroatischen Juden sowie 180.000 Serben von den Ustascha grausamst ermordet. Sehr bald wurden zwei fähige, kroatische SS-Divisionen ins Leben gerufen. Katholische Bischöfe saßen im Ustascha-Parlament � Franziskaner, wie zum Beispiel Miroslav Filipović-Majstorović, fungierten als Leiter von Todeslagern. So wurde der serbische Patriarch Platon von Banja Luka unverzüglich gefoltert: dem Geistlichen Platon und sein Priesterbegleiter Subotić, �stach man, während auf ihrer Brust ein Feuer brannte, die Augen aus, schnitt ihnen Nase und Ohren ab und gab ihnen endlich den Todesstoß� (K. Deschner). Bis Juli desselben Jahres 1941 hatten die Ustascha in nächtlichen Schlachtorgien mehr als 100.000 serbische Frauen und Kinder in ihren Häusern mit einem von Pavelić eigens dafür angefertigten Messer niedergemacht. 299 serbisch-orthodoxe Tempel wurden dem Erdboden gleichgemacht, die restlichen schlicht in katholische Kirchen umfunktioniert.

Insgesamt starben in den kroatischen Konzentrationslagern, von denen Jasenovac gleich nach Auschwitz das drittgrößte war � berüchtigt nicht wegen der Gaskammern, sondern wegen seiner pathologischen Massenenthauptungen � bis 1945 über 60.000 jüdische und 750.000 serbische Zivilisten. Die Intensität der Verbrechen ist schlicht unverdaulich, verwunderlicherweise sogar für die Nazis selbst: der Sonderbeauftragte des Auswärtigen Amtes für den Südosten, Hermann Neubacher, protestierte gegen die �wahrhaft entsetzlichen Vorgänge�; der in Zagreb stationierte General Glaise von Horstenau schickte an Hitler persönlich eine Depesche, um vom unvorstellbaren Horror zu berichten; dem deutschen Gesandtschaftsrat Troll und dem Sicherheitsdienst der SS erging es diesbezüglich nicht viel anders.

Damit veranschaulicht wird, worum es bei den Ustascha, die sich jetzt 2005 in Bleiburg ein Denkmal bauen, wirklich ging, sollte nur genannt werden, dass im KZ Jasenovac der Franziskaner Stipendiat Brzica eigenhändig in einer Nacht, und zwar am 29.August 1942, tausenddreihundertsechzig Serben und Juden mit seinem Spezialmesser massakriert hatte und mehrere Male vor geronnenem Blute, das ihn an seiner �Bewegungsfreiheit� hinderte, seine Schürzen wechseln musste. Halsketten aus serbischen Ohren und abgeschnittene Brüste und Penisse waren Gang und Gebe. Der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte hingegen sprach von Körben am Tische Pavelićs, welche mit Vierzig Pfund serbischer Augen gefüllt waren. Es ist nichts als grässlich, erfährt aber von angesehenen Institutionen Beifall. Der Militärvikar der eben beschriebenen Ustaschen, Alojzije Stepinac, wurde 1946 nach seiner Verhaftung durch die Partisanen vom Papst Pius XII sofort zum kroatischen Kardinal erhoben und vom jetzigen Papst Johannes Paul II im Jahre 1998 auch noch selig gesprochen. Zumindest wurde 1995, mit einem seitens der NATO unterstützten Blitzkrieg, jenes Programm erfüllt, das der Ustascha-Außenminister Lorković schon damals stolz formuliert hatte � die Forderung, �dass das kroatische Volk alle die ausländischen Elemente, die seine Kräfte schwächten, vernichten muss, diese Elemente sind die Juden und die Serben�.

Die Fakten nüchtern auf. Und Argumente gibt es viele, um in Bleiburg ein Denkmal für Massenmörder zu verhindern, vordergründig geschichtliche, also jene, die von 1945 bis 2005 eine demokratische Identität in Europa zu wittern suchen, und dann vor allem auch ethische, aber wie man anhand der Darstellungen sieht � sehr wohl auch ästhetische.



M. S.

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