KUNDGEBUNG ZUR BEFREIUNG VON AUSCHWITZ

Tuesday, 24. January 2006 @ 11:39

Am Freitag 27. Jänner um 18 Uhr hält die Go Dogma beim Antifaschistischen Denkmal am Albertinaplatz eine Kundgebung zur Befreiung von Ausschwitz ab. Wir laden euch herzlich ein, euch uns anzuschließen sowie im Anschluss „Sobibor, 14. Oktober 1943, 16.00“ von Claude Lanzmann im Café 7Stern zu schauen.

Aufruf der GO Dogma:



Am 1. November 2005 bestimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 60/7 den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.Nach der Annahme der Resolution bezeichnete UNO-Generalsekretär Kofi Annan den Holocaust als „ein beispielloses Verbrechen, das nicht einfach der Vergangenheit zugeschrieben und vergessen werden kann.“
Das Datum des 27. Januars wurde als Internationaler Holocaust-Gedenktag ausgewählt, da sich an diesem Tag die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nazis in Auschwitz-Birkenau (Polen) durch die sowjetische Armee im Jahr 1945 jährt. Auschwitz hat sich aber auch als Metapher für das Unternehmen der Auslöschung der Juden und Jüdinnen etabliert, für die Organisationsmaschinerie und die damit verbundenen Praxen und Politiken auf der Makro- und Mikroebene. Die Befreiung von Auschwitz steht deshalb für die Beendigung der gesamten nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, die auch Angehörige der Roten Armee, Sinti und Roma, Homosexuelle, Polen und Polinnen, sozial Unangepasste, politische Oppositionelle, Zeugen Jehovas und andere christliche AktivistInnen umfasste. Eine Unternehmung, die in der historischen Verantwortung der daran Beteiligten liegt, was konkret heisst: in der Verantwortung Deutschlands und ?-sterreichs.

„Nie wieder Auschwitz“ bedeutet damit, auch das Beteiligtsein der einzelnen, konkreten Personen kritisch in den Blick zu nehmen und nicht mit Hinweis auf Weltgeschichte und ökonomische Zusammenhänge herunterzuspielen oder ganz zu übersehen. Auch bedeutet es, sich mit „Sühne“ als folgerichtiges Moment von sich-schuldig- gemacht- haben nicht in verlogenen Abwehrhinweisen und instrumentellen Reinwaschungspolitiken auseinanderzusetzen. „Nie wieder Auschwitz“ bedeutet auch die Shoa nicht für eigene Befindlichkeiten und als billige Rechtfertigung für tagespolitisches Handeln zu instrumentalisieren und mit Vergleichen schnell bei der Hand zu sein. Die schleichende Normalisierung von Auschwitz beginnt hier und in den unzulässigen aber nichtsdestotrotz ständig von Medien und politischen MeinungsträgerInnen viel sagend häufig geübten Praxen des Vergleichs hauptsächlich im Kontext des Nahostkonflikts. Statt von „Schuld und Sühne“ liesse sich in der deutschen und österreichischen Nachkriegsgeschichte eigentlich mit mehr Wahrheit von „Schuld und Interesse“ reden.
Die Rote Armee und die Sowjetunion haben unter gewaltigen Opfern einen wesentlichen Teil zur Niederlage des Nationalsozialismus beigetragen. Es darf nicht vergessen werden, dass ein großer Anteil der nationalsozialistischen Vernichtungsaggression gegen die Menschen gerichtet war, die in der Sowjetunion lebten:

*die Hungerblockade gegen Leningrad, die darauf gerichtet war, die gesamte Stadtbevölkerung durch Hunger zu töten
*der Vernichtungskrieg gegen Belorussland
*die als "Partisanenbekämpfung" notdürftig getarnte Mordpolitik gegen die Zivilbevölkerung
*die mörderische Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener, die Millionen von ihnen nicht überlebten
*die Verschleppung von ZwangsarbeiterInnen, die ja bevorzugt aus den so genannten "Ostgebieten" geholt wurden
*die rassistische Propaganda, die gegen die, als "Bolschewiken" bezeichneten Menschen verbreitet wurde...

Hauptsächlich aber richtete sich die nationalsozialistische Wut gegen Juden und Jüdinnen. Deren physische Vernichtung war Anfang 1942 unter dem Codewort "Endlösung" auf der Wannseekonferenz beschlossen worden und wurde seither durch eine Koordination aller logistischen Kräfte in Hinblick auf eine Effizienzoptimierung aller beteiligten nationalsozialistischen Instanzen nachdrücklich vorangetrieben.
Diese Vernichtungslogistik erfasste fast alle in Europa lebenden Juden und Jüdinnen. Nur wenige europäische Länder waren in der Lage überhaupt Flüchtlinge aufzunehmen, wobei es hier teilweise sehr restriktive Praxen gab. Allerdings hätte wohl auch eine liberalere Flüchtlingspolitik nicht alle retten können, da der nationalsozialistische Krieg die Nazis auch in die Gegenden brachte, in die sich viele jüdische Flüchtlinge anfangs hatten retten können und ihnen weitere Fluchtwege versperrte. Abgesehen davon war vielen Juden und Jüdinnen die Gefahr, in der sie schwebten nicht bewusst und auch die Möglichkeiten zur Flucht waren für viele gering bis nicht vorhanden.
Viele jüdische Menschen waren auf Gedeih und Verderb der Politik jener europäischer Staaten ausgeliefert, denen sie als StaatsbürgerInnen angehörten und wurden durch deren Kollaboration mit dem "3. Reich" der Vernichtung preisgegeben. Es gab kaum einen vom Nationalsozialismus mit Krieg überzogenen Staat, der sich den Schutz der Juden und Jüdinnen zur Priorität gemacht hätte und es scheint, dass die Vergangenheitsbewältigung der europäischen Gesellschaften nach der Niederlage des Nationalsozialismus und des Mussolini-Faschismus diesen Mangel an Hilfe für die Bedrohtesten dieser mörderischen Ideologie nicht ins Auge zu nehmen gewillt war und ist. Sechs Millionen ermordete Juden und Jüdinnen haben keinen gewaltigen Aufschrei des Entsetzens provoziert. Das waren keine Opfer einer Naturkatastrophe (die ihre Opfer ja unterschiedslos trifft, keine Auswahl vornimmt nach Staatsbürgerschaft, Berufsgruppe, Klassenzugehörigkeit, Alter oder Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einem markierten Kollektiv) sondern Opfer einer Politik, die ihre Menschenverachtung und ihren lebensbedohenden Antisemitismus bereits kurz nach ?oebernahme der Regierungsgeschäfte in Deutschland 1933 zu erkennen gab, für aufmerksame und politisch engagierte Menschen längst auch schon davor.
Und trotzdem fragte sich nach dem Krieg niemand, wie das zugehen konnte, dass es für sechs Millionen Menschen, die für ihre Ermordung aus ganz Europa zusammengeholt wurden, kaum Interesse und Aufmerksamkeit gab. Diese sechs Millionen hat niemand gerettet und selbst konnten sie sich nicht retten, denn die jüdischen Kräfte waren zu schwach.
Jüdische Institutionen konnten wohl retten, haben auch viele gerettet aber für so viele reichten die Ressourcen nicht, denn immer waren diese Hilfsorganisationen auch auf die Zusammenarbeit von staatlichen oder suprastaatlichen Stellen angewiesen. Zur Hilfe ermächtigt aus sich selbst heraus als starke Institution von Juden und Jüdinnen für vom Tode bedrohte Juden und Jüdinnen waren sie nicht. sie konnten Aufenthaltsrechte in sicheren Ländern von anderen erbitten, selbst konnten sie diese Aufenthaltsgenehmigungen nicht gewähren. so war die einzige wirksame Hilfe, dem morden Einhalt zu gebieten, der Vormarsch der Roten Armee, durch den die Konzentrationslager befreit und die Einsatzgruppen entwaffnet wurden.

Wer nach diesen Erfahrungen vom Mord an Millionen und der Ohnmacht der Hilfeleistenden diesen Mord zu verhindern für die Solidarität mit Israel gegen Angriffe auf seine Existenz Bedingungen stellt, stellt auch für die Rettung des je einzelnen jüdischen Lebens Bedingungen. Israel ist der einzige Staat der Welt, der der Hilfe für Juden und Jüdinnen die Ermächtigung immer geben wird.
In seinem Plädoyer für den Staat Israel vor der UNO durch den sowjetischen Aussenminister Gromyko klingt diese Schlussfolgerung aus Auschwitz auch an:
"The fact that no western European State has been able to ensure the defense of the elementary rights of the Jewish people, and to safeguard it against the violence of the fascist executioners, explains the aspirations of the Jews to establish their own State. (...) It would be unjustifiable to deny this right to the Jewish people, particularly in view of all it has undergone during the Second World War."
Wir leben in einem Staat, der zwischen 1938 und 1945 teil des mörderischen Gebildes war, das sich selbst als das "Dritte Reich" bezeichnete und dessen BewohnerInnen ohne fremde Hilfe nicht in der Lage und/oder nicht willens waren die Souveränität dieses Staates von sich aus wieder herzustellen.
Vielen Linken ist es ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass sie als Linke sich moralisch dazu berechtigt fühlen, die Solidarität mit Israel nicht mit einer Solidaritätserklärung an Sharon verbinden zu wollen. Dazu soll aber auch niemand gezwungen sein.

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