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10 Fragen an die linke Moralanstalt zum Nahostkonflikt   
Saturday, 11. February 2006 @ 22:49

Dogmatische PositionenDer brave Linke von heute solidarisiert sich mit den Unterdrückten, daraus folgt in der Logik der linken Moralanstalt auch die Solidarität mit Palästina, dass doch vom imperialistischen - kapitalistischen - proamerikanischen Zionistenstaat Israel so grausam unterdrückt wird. Dabei gibt es die verschiedensten Spielarten dieser Solidarität, von der Forderung, dass Palästina, das Recht auf einen unabhängigen Staat hat, bis hin zur Forderung nach der Zerschlagung Israels, zu Gunsten eines "freien" Palästina.

Von Benjamin Turecek

Wer es wagt sich für Israel einzusetzen gilt dann gleich als RechteR oder ProimperialistIn, wobei diese Diskussion immer auf einer sehr moralischen und persönlichen Ebene geführt wird. Israel wird dabei häufig als faschistischer Staat dargestellt, manche "brave" Linken scheuen sich nicht ihn mit dem 3.Reich zu vergleichen oder ihm einen Genozid vorzuwerfen. Gleichzeitig reagieren dieselben "braven" Linken dann ziemlich erbost, wenn man einen Vergleich zwischen der Hamas und der NSDAP anstellt, weil "das kann man ja wirklich nicht gleichsetzen."

Also hier Frage 1 an die linke Moralanstalt: Warum kann man dann Israel mit Deutschland vergleichen, warum kann man dann Israel als ein Land bezeichnen, dass einen Genozid begeht?

Es ist mir an dieser Stelle wichtig darauf hinzuweisen, dass Kritik am Staat Israel meiner Meinung nach nichts mit Antisemitismus zu tun hat und nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig ist. Wie jeder kapitalistische Staat betreibt Israel Imperialismus und Ausbeutung. Dies wiederum zieht unmenschliche Akte nach sich und diese sind zweifelsohne zu kritisieren. Das ist allerdings bei einem bürgerlich-kapitalistischen Staat nur natürlich.

Also Frage 2 an die linke Moralanstalt: Warum ist es bei Israel ein derartiges Verbrechen, wenn es imperialistische Akte setzt, während bei andren Ländern kaum ein Wort darüber verloren wird?

Ein Argument gegen Israel ist immer, dass es auf Gewalt aufgebaut wurde und die AraberInnen aus ihrem Land vertrieben hätte. Das ist zweifelsohne richtig. Aber seitdem sind mehr als 50 Jahre vergangen.

Also Frage 3 an die linke Moralanstalt, sollen die jetzigen EinwohnerInnen Israels wirklich für die Fehler ihrer Vorfahren aus einem Land vertrieben werden, dass sie seit 58 Jahren bewohnen? Wer ist dann derjenige, der Leute, die ein Land bewohnen vertreibt?

Betrachtet man die Geschichte, so merkt man, dass die USA im Yom-Kipur-Krieg auf Seiten Israels eingriffen, während Syrien und ßgypten damals von der UdSSR unterstützt wurden.

Frage 4 an die linke Moralanstalt, seid ihr nicht vielleicht nur aus einer inneren Treue zum sozialistischen Vaterland auf Seiten der Palästinenser und wäret ihr vielleicht auf Israels Seite, hätte Washington die Arabischen Staaten und Moskau Israel unterstützt?

An der Stelle gleich Frage 5 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das aus Treue zum sozialistischen Vaterland tut, warum vergesst ihr dann konsequent, dass es Gromyko war, der sich aus Anlass der Shoah für die Gründung Israels aussprach?

Weiters haben wir nun den Umgang mit den bewaffneten Einsätzen. Jede Bombe Israels (die ich hier in keinster Weise legitimieren will) wird zum Riesenverbrechen, aber der Kampf den SelbstmordattentäterInnen und TerroristInnen führen gegen unschuldige Zivilbevölkerung, das ist dann ein "Verzweiflungsakt", "die sind schon so unterdrückt, denen ist jedes Mittel recht", oder gar ein "legitimer Befreiungskrieg." Israel trifft bei seinen Schlägen, Unschuldige, die TerroristInnen aus Palästina töten nur Unschuldige.

Frage 6 an die linke Moralanstalt: Was macht das eine zu einem Verbrechen und das andre zu einem Verzweiflungsakt?

Warum werden die einen, wenn sie sich falsch wehren zu VerbrecherInnen, während die andren, die gezielt nur die Falschen töten zu VerzweiflungstäterInnen oder gar FreiheitskämpferInnen? Terror an Unbeteiligten ist im übrigen auch nicht eine Erscheinung der letzten Zeit. Bereits in München (1972) starben 12 Menschen, die niemanden etwas getan hatten. Aber erwähnt werden immer nur die blutigen Massaker, die Sharon damals an PalästinenserInnen anrichten ließ.

Frage 7 an die linke Moralanstalt, warum beschäftigt ihr euch eigentlich nur mit der blutigen Geschichte Israels und nicht mit der blutigen Geschichte Palästinas, die mindestens genauso grausam ist?

Ein Hauptfeind vieler Linker ist im übrigen Ariel Sharon, der zum Sündenbock für alles geworden ist, was im nahen Osten schief läuft. Ja in dem Zusammenhang hab ich sogar gehört: "Der ist ja Schuld, dass in Israel Frauen und Kinder sterben, weil er hat die PalästinenserInnen ja provoziert, wie er am Tempelberg war." Was ist das für eine Logik. Wenn mich jemand beschimpft, rechtfertigt das also, dass ich seine Frau und Kinder umbringe, weil er hat mich provoziert. Auch hier möchte ich festhalten, Sharon ist sicher kein Politiker, den ich wählen oder unterstützen würde, aber Sharon ist für mich auch nicht schlimmer oder besser als Angela Merkel, Wolfgang Schüssel, George Bush, Tony Blair oder Jaques Chirac. Und ich finde es sehr seltsam, dass die ihn als Mörder und Diktator bezeichnen, die sich mit Hasspredigern wie Arafat oder Yassin solidarisieren.

Also, Frage 8 an die linke Moralanstalt: Worin liegt die Logik, Sharon als Mörder anzugreifen und sich mit Arafat zu solidarisieren?

Mensch hört jetzt oft, davon, dass es ja verständlich ist, dass die PalästinenserInnen die Hamas gewählt haben. Vielleicht hier aus dem Programm der Hamas zitiert: "'Die Zeit' wird solange nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: 'Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm' und töte ihn."

Frage 9 an die linke Moralanstalt: Wie könnt ihr euch Antifaschisten nennen und so etwas verstehen? Seid ihr wirklich so ein liberaler Haufen geworden, der für alles Verständnis hat?

Vor kurzem hat eine Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz stattgefunden, bei der 20 Leute anwesend waren, als ich Leute fragte, warum sie da nicht hingehen, hörte ich: "Dort rennen Leut mit Israelfahnen herum, ich will mit keiner Fahne marschieren unter der Blut fließt." Das ist deshalb so "lustig" weil es die selben Leute sind, die mit PLO-Schals herumrennen. Und während Israel einfach eine Nation ist, in der sich von fortschrittlichen bis zu reaktionären Kräften, alles sammelt, steht die PLO für einen Terror, gegen ein Volk.

Also Frage 10 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das Blutvergießen so ablehnt, warum sich dann mit Terrororganisationen solidarisieren?

Zum Abschluss möchte ich noch eines sagen: Als Kommunist glaube ich an eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes und an eine solidarische Gesellschaft auch im Nahen Osten. Leider sind wir noch nicht so weit und bis dahin rufe ich die linke Moralanstalt dazu auf, sich endlich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen, anstatt einen ideologischen Krieg gegen das "böse" Israel zu führen, ohne darüber nachzudenken. Ich weiß, dass sich viele Linke durch diesen Artikel angegriffen fühlen werden, löst das einen Nachdenkprozess aus hab ich mein Ziel erreicht, löst es nur beleidigt sein aus - Tja, so leid es mir tut, aber es tut mir nicht leid.

Freiheit und Shalom!

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10 Fragen an die linke Moralanstalt zum Nahostkonflikt | 2 Kommentar(e) | Neuen Account anlegen
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10 Fragen an die linke Moralanstalt zum Nahostkonflikt
Autor: kosmonaut am Friday, 3. March 2006 @ 14:05
An dieser Stelle eine weitergeleitete Kritik eines Genossen der Gruppe Gegenargumente und zur Beförderung der Diskussion:

Ein paar Antworten an B.T., vulgo "die linke Unmoralanstalt". Zur Erleichterung des Nach-vollzugs der Argumente folgt der Text von B.T. im Original, danach jeweils der Kommentar.
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Der brave Linke von heute solidarisiert sich mit den Unterdrückten, daraus folgt in der Logik der linken Moralanstalt auch die Solidarität mit Palästina, dass doch vom imperialistischen - kapitalistischen - proamerikanischen Zionistenstaat Israel so grausam unterdrückt wird. Dabei gibt es die verschiedensten Spielarten dieser Solidarität, von der Forderung, dass Palästina, das Recht auf einen unabhängigen Staat hat, bis hin zur Forderung nach der Zerschlagung Israels, zu Gunsten eines "freien" Palästina.
Von Benjamin Turecek
Wer es wagt sich für Israel einzusetzen gilt dann gleich als RechteR oder ProimperialistIn, wobei diese Diskussion immer auf einer sehr moralischen und persönlichen Ebene geführt wird. Israel wird dabei häufig als faschistischer Staat dargestellt, manche "brave" Linken scheuen sich nicht ihn mit dem 3.Reich zu vergleichen oder ihm einen Genozid vorzuwerfen. Gleichzeitig reagieren dieselben "braven" Linken dann ziemlich erbost, wenn man einen Ver-gleich zwischen der Hamas und der NSDAP anstellt, weil "das kann man ja wirklich nicht gleichsetzen."
Also hier Frage 1 an die linke Moralanstalt: Warum kann man dann Israel mit Deutschland vergleichen, warum kann man dann Israel als ein Land bezeichnen, dass einen Genozid begeht?

Kommentar: Die Linke, die das tut, kann das, weil sie es halt genau so sieht - und B.T. ver-wechselt seine Referierung von Positionen, die ihm nicht passen, mit deren Kritik. Mag sein, dass B.T. fassungslos über diese Linke ist, nur ist die Zurschaustellung von Fassungslosigkeit auch kein Argument in dem Sinn. Es ist halt nichts widerlegt oder auch nur diffamiert, wenn man die linke Sicht -Linke solidarisch mit Unterdrückten, also auch mit Palästina, Israel-freunde daher solidarisch mit Imperialismus - nacherzählt und sie obendrein als "brav" charakterisiert. Dadurch stellt sich zwar B.T. selber ein wenig als Rebell dar, als junger Wilder - man riecht bei der Lektüre förmlich den Duft von Freiheit und Abenteuer, der ihn umweht -, aber mehr auch nicht. "Brav" war gestern, aber heute lassen wir es krachen? Ein wenig peinlich ist das mit dem "brav" deswegen, weil B.T. die Linke augenscheinlich auf Konformitäts-kurs bringen will: Die kritische Solidarität mit Israel ist doch offizieller staatstragender Mainstream, den B.T nun auch den letzten paar Abweichlern nahelegt. Sehr brav!
Zum Faschismusvergleich: Der hat seinen Grund in einem leider speziell unter Linken weit verbreiteten Demokratiedeppentum. Diese geistige Haltung hat von der real existierenden Demokratie - das ist eine Staatsform - sehr wenig Ahnung, weil sie sich bevorzugt mit ihrer Idealisierung beschäftigt. Demokratie gilt da, vielleicht noch radikaler als im bürgerlichen Mainstream, als das Gute, und alles, was einem Demokratiedeppen unangenehm auffällt, wie etwa der Terror der israelischen Besatzungsmacht, ist dann undemokratisch bis faschistisch. (ßltere Semester erinnern sich vielleicht: Zu Zeiten des Vietnamkrieges hat diese Position den schönen Slogan "USA - SA - SS" hervorgebracht.) Krieg, Terror, Vertreibung, Folter etc. gehört demgegenüber rein sachlich zu den Gemeinsamkeiten von Demokratie und Faschis-mus; und Israel ist eine Demokratie. Neuerdings bekennt sich die mächtigste Demokratie der Welt offen zu ihrem KZ in Guantanamo, und von CIA-Zöglingen wurde schon in den 80er Jahren im Zug der "Counterinsurgency" in Lateinamerika feste gefoltert. Das war damals im demokratisch-solidarischen Westblock ein geteiltes Anliegen und deswegen kein Thema in der europäischen ?-ffentlichkeit, wo einige Medien die deutsch-französische Distanz zum Irakkrieg offenbar mit prinzipielle Vorbehalten gegen Krieg und Folter verwechseln.
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Es ist mir an dieser Stelle wichtig darauf hinzuweisen, dass Kritik am Staat Israel meiner Meinung nach nichts mit Antisemitismus zu tun hat und nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig ist. Wie jeder kapitalistische Staat betreibt Israel Imperialismus und Ausbeutung. Dies wiederum zieht unmenschliche Akte nach sich und diese sind zweifelsohne zu kritisie-ren. Das ist allerdings bei einem bürgerlich-kapitalistischen Staat nur natürlich.
Also Frage 2 an die linke Moralanstalt: Warum ist es bei Israel ein derartiges Verbrechen, wenn es imperialistische Akte setzt, während bei anderen Ländern kaum ein Wort darüber verloren wird?

Kommentar: B.T. gibt der linken Moralanstalt also ausdrücklich recht - Israel betreibt Impe-rialismus und Ausbeutung, unmenschliche Akte natürlich inbegriffen. Aber sogar wenn sich die linke Moral bei anderen Ländern verschweigen würde - an den auch von B.T. konstatierten Machenschaften Israels ändert sich dadurch doch nichts, oder? Insofern widerlegte auch ein bei anderer Gelegenheit angeblich abwesendes linkes Wort nichts. Und eine linke Verurteilung anderer Imperialisten bestätigt auch nichts in Sachen Israel. B.T. will sich an der Glaubwürdigkeit der linken Moralisten zu schaffen machen und allen Israel-Spezialisten die Lizenz zum Kritisieren verweigern - nur ist der Vorwurf der Unvollständigkeit des linken Moralisierens schon wieder mit einer Widerlegung nicht zu verwechseln, und sogar als Diffamierung eine matte Sache. (Im übrigen: Mir sind keine Linken bekannt, die sich ewig über Israel beschweren und zugleich den Irak-Krieg der USA oder die "geheimen" Folter-Gefängnisse in Europa gut finden oder totschweigen. Zu einem sachlichen Unterschied zwi-schen Israel und anderen Ländern folgt weiter unten noch ein Hinweis.)
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Ein Argument gegen Israel ist immer, dass es auf Gewalt aufgebaut wurde und die AraberIn-nen aus ihrem Land vertrieben hätte. Das ist zweifelsohne richtig. Aber seitdem sind mehr als 50 Jahre vergangen.
Also Frage 3 an die linke Moralanstalt, sollen die jetzigen EinwohnerInnen Israels wirklich für die Fehler ihrer Vorfahren aus einem Land vertrieben werden, dass sie seit 58 Jahren bewohnen? Wer ist dann derjenige, der Leute, die ein Land bewohnen vertreibt?

Kommentar: Na das kommt einem doch bekannt vor! Da ist die Geschichte schon so lange her, und die jetzigen EinwohnerInnen Deutschlands und ?-sterreichs haben damit nichts zu tun -, kann man "uns" nicht endlich mit "Auschwitz" in Ruhe lassen!? Und wenn Hamas mit ih-rem Programm erfolgreich ist und über 50 Jahre durchhält- spätestens dann wird auch B.T. für einen "Schlußstrich" plädieren!?
Ein sachlicher Irrtum: Die Vertreibung ist nicht vor 50 Jahren passiert. Sie ist aktuelle Praxis, durch die ständige Gründung von Siedlungen in arabisch bewohnten Gegenden.
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Betrachtet man die Geschichte, so merkt man, dass die USA im Yom-Kipur-Krieg auf Seiten Israels eingriffen, während Syrien und ßgypten damals von der UdSSR unterstützt wurden.
Frage 4 an die linke Moralanstalt, seid ihr nicht vielleicht nur aus einer inneren Treue zum sozialistischen Vaterland auf Seiten der Palästinenser und wäret ihr vielleicht auf Israels Seite, hätte Washington die Arabischen Staaten und Moskau Israel unterstützt?
An der Stelle gleich Frage 5 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das aus Treue zum sozialisti-schen Vaterland tut, warum vergesst ihr dann konsequent, dass es Gromyko war, der sich aus Anlass der Shoah für die Gründung Israels aussprach?

Kommentar: B.T. hat erwähnt, warum die Linken für die Palästinenser eintreten - immer für die Unterdrückten -, und unterstellt denen dann ein Motiv, das die gar nicht haben, und treibt sich anschließend weiter in seiner eigenen Unterstellung herum: Wer für die Sowjetunion war, müßte eigentlich vielleicht auch wg. Gromyko für Israel sein, wohingegen die Sowjetunion aber andererseits dennoch die Gegner Israels unterstützte etc. etc. Ja, das ist einigermaßen wirr - aber als Einwand wogegen auch immer nur noch komisch: Zuerst wirres Zeug produzieren bzw. anderen unterstellen - und das eigene wirre Zeug dann anderen Leuten als deren Inkonsequenz vorwerfen.
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Weiters haben wir nun den Umgang mit den bewaffneten Einsätzen. Jede Bombe Israels (die ich hier in keinster Weise legitimieren will) wird zum Riesenverbrechen, aber der Kampf den SelbstmordattentäterInnen und TerroristInnen führen gegen unschuldige Zivilbevölkerung, das ist dann ein "Verzweiflungsakt", "die sind schon so unterdrückt, denen ist jedes Mittel recht", oder gar ein "legitimer Befreiungskrieg." Israel trifft bei seinen Schlägen, Unschuldige, die TerroristInnen aus Palästina töten nur Unschuldige.
Frage 6 an die linke Moralanstalt: Was macht das eine zu einem Verbrechen und das andre zu einem Verzweiflungsakt?
Warum werden die einen, wenn sie sich falsch wehren zu VerbrecherInnen, während die andren, die gezielt nur die Falschen töten zu VerzweiflungstäterInnen oder gar Freiheitskämpfe-rInnen? Terror an Unbeteiligten ist im übrigen auch nicht eine Erscheinung der letzten Zeit. Bereits in München (1972) starben 12 Menschen, die niemanden etwas getan hatten. Aber erwähnt werden immer nur die blutigen Massaker, die Sharon damals an PalästinenserInnen anrichten ließ.
Frage 7 an die linke Moralanstalt, warum beschäftigt ihr euch eigentlich nur mit der blutigen Geschichte Israels und nicht mit der blutigen Geschichte Palästinas, die mindestens genauso grausam ist?

Kommentar: B.T. hat diese Fragen in seiner Einleitung längst beantwortet, hält es aber offenbar für eine Diskussionsstrategie, sich dumm zu stellen: Wer sich mit den Unterdrückten solidarisiert, hält deren Gewalt für legitim, das ist alles. Unterdrücker und Unterdrückte gehen beide für ihre Anliegen über Leichen, soweit sie es für zweckmäßig halten. Aus israelischer Sicht ist der eigene Terror legitim, und die Aufständischen sind Terroristen. Die Antiimperia-listen drehen diese moralische Einordnung um, und wer für nationale Befreiung eintritt, wird sich ihnen anschließen. Wie gehabt: Was dem einen sein Terrorist, ist dem anderen sein Frei-heitskämpfer. Niemand in diesem Kontext hält Gewaltanwendung als solche für ein Verbrechen - dazu wird es erklärt, wenn der Betrachter den Zweck der Gewaltanwendung ablehnt. Daraus ergibt sich dann die weitere moralische Einordnung - schuldig, unschuldig, verzweifelt, falsch, unbeteiligt etc. - und all das ist B.T. total geläufig, wenn er die moralische Ein-ordnung nur ein wenig anders gestalten will.
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Ein Hauptfeind vieler Linker ist im übrigen Ariel Sharon, der zum Sündenbock für alles ge-worden ist, was im nahen Osten schief läuft. Ja in dem Zusammenhang hab ich sogar gehört: "Der ist ja Schuld, dass in Israel Frauen und Kinder sterben, weil er hat die PalästinenserInnen ja provoziert, wie er am Tempelberg war." Was ist das für eine Logik. Wenn mich jemand beschimpft, rechtfertigt das also, dass ich seine Frau und Kinder umbringe, weil er hat mich provoziert. Auch hier möchte ich festhalten, Sharon ist sicher kein Politiker, den ich wählen oder unterstützen würde, aber Sharon ist für mich auch nicht schlimmer oder besser als Angela Merkel, Wolfgang Schüssel, George Bush, Tony Blair oder Jaques Chirac. Und ich finde es sehr seltsam, dass die ihn als Mörder und Diktator bezeichnen, die sich mit Hasspredigern wie Arafat oder Yassin solidarisieren.
Also, Frage 8 an die linke Moralanstalt: Worin liegt die Logik, Sharon als Mörder anzugreifen und sich mit Arafat zu solidarisieren?

Kommentar: Auf die Gefahr, mich zu wiederholen, und indem ich den Vorwurf des sich-dumm-stellens selber wiederhole: Die Logik der linken Solidarität, die B.T. kennt, die ihm nicht gefällt und die er nicht einmal ansatzweise kritisiert, liegt darin, dass Arafat den Kampf der unterdrückten Palästinenser angeführt hat.
Ein sachlicher Hinweis zum Unterschied von Sharon und den anderen aufgelisteten westlichen demokratisch gewählten Politikern: Die anderen führen fertige Staaten mit einem Gewaltmonopol innerhalb anerkannter Grenzen und mit einem zugehörigen Staatsvolk. Israel ist nach wie vor nicht fertig. Es ist Besatzungsmacht auf einem Territorium, das ihm völkerrecht-lich nicht zugebilligt wird, und das noch immer von Menschen bewohnt ist, die es nicht zu seinem Volk zählen will, und zu denen es daher ein rein negatives Verhältnis hat: Sie sind der jüdischen Expansion per Besiedlung im Weg.
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Mensch hört jetzt oft, davon, dass es ja verständlich ist, dass die PalästinenserInnen die Hamas gewählt haben. Vielleicht hier aus dem Programm der Hamas zitiert: " 'Die Zeit' wird solange nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: 'Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm' und töte ihn."
Frage 9 an die linke Moralanstalt: Wie könnt ihr euch Antifaschisten nennen und so etwas verstehen? Seid ihr wirklich so ein liberaler Haufen geworden, der für alles Verständnis hat?

Kommentar: Da sieht man wieder, wie zivilisiert diese vorgeblich mittelalterlichen Funda-mentalisten sind; so zivilisiert nämlich wie jene Figuren, die ganze "Reiche" oder "Achsen" des "Bösen" zuerst moralisch zur Vernichtung freigeben und dann entsprechende praktische Schritte in die Wege leiten. Für Hamas ist, wie überraschend, Israel das Reich des Bösen.
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Vor kurzem hat eine Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz stattgefunden, bei der 20 Leute anwesend waren, als ich Leute fragte, warum sie da nicht hingehen, hörte ich: "Dort rennen Leut mit Israelfahnen herum, ich will mit keiner Fahne marschieren unter der Blut fließt." Das ist deshalb so "lustig" weil es die selben Leute sind, die mit PLO-Schals herumrennen. Und während Israel einfach eine Nation ist, in der sich von fortschrittli-chen bis zu reaktionären Kräften, alles sammelt, steht die PLO für einen Terror, gegen ein Volk.
Also Frage 10 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das Blutvergießen so ablehnt, warum sich dann mit Terrororganisationen solidarisieren?

Kommentar: Ist längst beantwortet: Gehe zurück zu Frage 6 und 7. Im übrigen steht auch Israel für einen Terror gegen ein Volk, und sogar in der palästinensischen Nation geht es pluralistisch zu, von laizistisch bis religiös, was B.T. offenbar für einen moralischen Pluspunkt hält. Da streiten sich Fatah und Hamas etwa so solidarisch wie der Likud mit der Siedlerbewegung.
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Zum Abschluss möchte ich noch eines sagen: Als Kommunist glaube ich an eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes und an eine solidarische Gesellschaft auch im Nahen Osten. Leider sind wir noch nicht so weit und bis dahin rufe ich die linke Moralanstalt dazu auf, sich endlich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen, anstatt einen ideologischen Krieg ge-gen das "böse" Israel zu führen, ohne darüber nachzudenken. Ich weiß, dass sich viele Linke durch diesen Artikel angegriffen fühlen werden, löst das einen Nachdenkprozess aus hab ich mein Ziel erreicht, löst es nur beleidigt sein aus - Tja, so leid es mir tut, aber es tut mir nicht leid.
Freiheit und Shalom!

Kommentar: Ein Kommunist glaubt gar nichts, und schon gar nicht an Frieden und Solidarität und ähnliches Moralzeug. Ein Kommunist hat, und das ist keine moralische Forderung, es bezeichnet vielmehr einen sachlichen Unterschied, sich nicht einen Glauben bzw. eine irgendwie letztlich doch optimistische Weltsicht oder ein positives Denken zuzulegen, sondern sich Wissen über Gott und die Welt zu verschaffen. Da kommt u.U. raus, dass man Israel kri-tisiert - in der Diktion des Moralisten: einen "ideologischen Krieg" führt - gerade weil nachgedacht wurde.

Literatur:
Herbert L. Fertl, Abweichende Meinungen zu Israel. München 1982
Nachzulesen unter http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/abwmeing/israel/am_is_idx.htm
"Vertritt der GegenStandpunkt ein völkisches Blut- und Bodenprinzip?"
Nachzulesen unter http://www.gegenargumente.at/ Link "Sonstige Texte"
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  • 10 Fragen an die linke Moralanstalt zum Nahostkonflikt - Autor: nora am Monday, 6. March 2006 @ 16:38
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