10 Fragen an die linke Moralanstalt zum Nahostkonflikt

Saturday, 11. February 2006 @ 22:49

Der brave Linke von heute solidarisiert sich mit den Unterdrückten, daraus folgt in der Logik der linken Moralanstalt auch die Solidarität mit Palästina, dass doch vom imperialistischen - kapitalistischen - proamerikanischen Zionistenstaat Israel so grausam unterdrückt wird. Dabei gibt es die verschiedensten Spielarten dieser Solidarität, von der Forderung, dass Palästina, das Recht auf einen unabhängigen Staat hat, bis hin zur Forderung nach der Zerschlagung Israels, zu Gunsten eines "freien" Palästina.

Von Benjamin Turecek

Wer es wagt sich für Israel einzusetzen gilt dann gleich als RechteR oder ProimperialistIn, wobei diese Diskussion immer auf einer sehr moralischen und persönlichen Ebene geführt wird. Israel wird dabei häufig als faschistischer Staat dargestellt, manche "brave" Linken scheuen sich nicht ihn mit dem 3.Reich zu vergleichen oder ihm einen Genozid vorzuwerfen. Gleichzeitig reagieren dieselben "braven" Linken dann ziemlich erbost, wenn man einen Vergleich zwischen der Hamas und der NSDAP anstellt, weil "das kann man ja wirklich nicht gleichsetzen."

Also hier Frage 1 an die linke Moralanstalt: Warum kann man dann Israel mit Deutschland vergleichen, warum kann man dann Israel als ein Land bezeichnen, dass einen Genozid begeht?

Es ist mir an dieser Stelle wichtig darauf hinzuweisen, dass Kritik am Staat Israel meiner Meinung nach nichts mit Antisemitismus zu tun hat und nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig ist. Wie jeder kapitalistische Staat betreibt Israel Imperialismus und Ausbeutung. Dies wiederum zieht unmenschliche Akte nach sich und diese sind zweifelsohne zu kritisieren. Das ist allerdings bei einem bürgerlich-kapitalistischen Staat nur natürlich.

Also Frage 2 an die linke Moralanstalt: Warum ist es bei Israel ein derartiges Verbrechen, wenn es imperialistische Akte setzt, während bei andren Ländern kaum ein Wort darüber verloren wird?

Ein Argument gegen Israel ist immer, dass es auf Gewalt aufgebaut wurde und die AraberInnen aus ihrem Land vertrieben hätte. Das ist zweifelsohne richtig. Aber seitdem sind mehr als 50 Jahre vergangen.

Also Frage 3 an die linke Moralanstalt, sollen die jetzigen EinwohnerInnen Israels wirklich für die Fehler ihrer Vorfahren aus einem Land vertrieben werden, dass sie seit 58 Jahren bewohnen? Wer ist dann derjenige, der Leute, die ein Land bewohnen vertreibt?

Betrachtet man die Geschichte, so merkt man, dass die USA im Yom-Kipur-Krieg auf Seiten Israels eingriffen, während Syrien und ßgypten damals von der UdSSR unterstützt wurden.

Frage 4 an die linke Moralanstalt, seid ihr nicht vielleicht nur aus einer inneren Treue zum sozialistischen Vaterland auf Seiten der Palästinenser und wäret ihr vielleicht auf Israels Seite, hätte Washington die Arabischen Staaten und Moskau Israel unterstützt?

An der Stelle gleich Frage 5 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das aus Treue zum sozialistischen Vaterland tut, warum vergesst ihr dann konsequent, dass es Gromyko war, der sich aus Anlass der Shoah für die Gründung Israels aussprach?

Weiters haben wir nun den Umgang mit den bewaffneten Einsätzen. Jede Bombe Israels (die ich hier in keinster Weise legitimieren will) wird zum Riesenverbrechen, aber der Kampf den SelbstmordattentäterInnen und TerroristInnen führen gegen unschuldige Zivilbevölkerung, das ist dann ein "Verzweiflungsakt", "die sind schon so unterdrückt, denen ist jedes Mittel recht", oder gar ein "legitimer Befreiungskrieg." Israel trifft bei seinen Schlägen, Unschuldige, die TerroristInnen aus Palästina töten nur Unschuldige.

Frage 6 an die linke Moralanstalt: Was macht das eine zu einem Verbrechen und das andre zu einem Verzweiflungsakt?

Warum werden die einen, wenn sie sich falsch wehren zu VerbrecherInnen, während die andren, die gezielt nur die Falschen töten zu VerzweiflungstäterInnen oder gar FreiheitskämpferInnen? Terror an Unbeteiligten ist im übrigen auch nicht eine Erscheinung der letzten Zeit. Bereits in München (1972) starben 12 Menschen, die niemanden etwas getan hatten. Aber erwähnt werden immer nur die blutigen Massaker, die Sharon damals an PalästinenserInnen anrichten ließ.

Frage 7 an die linke Moralanstalt, warum beschäftigt ihr euch eigentlich nur mit der blutigen Geschichte Israels und nicht mit der blutigen Geschichte Palästinas, die mindestens genauso grausam ist?

Ein Hauptfeind vieler Linker ist im übrigen Ariel Sharon, der zum Sündenbock für alles geworden ist, was im nahen Osten schief läuft. Ja in dem Zusammenhang hab ich sogar gehört: "Der ist ja Schuld, dass in Israel Frauen und Kinder sterben, weil er hat die PalästinenserInnen ja provoziert, wie er am Tempelberg war." Was ist das für eine Logik. Wenn mich jemand beschimpft, rechtfertigt das also, dass ich seine Frau und Kinder umbringe, weil er hat mich provoziert. Auch hier möchte ich festhalten, Sharon ist sicher kein Politiker, den ich wählen oder unterstützen würde, aber Sharon ist für mich auch nicht schlimmer oder besser als Angela Merkel, Wolfgang Schüssel, George Bush, Tony Blair oder Jaques Chirac. Und ich finde es sehr seltsam, dass die ihn als Mörder und Diktator bezeichnen, die sich mit Hasspredigern wie Arafat oder Yassin solidarisieren.

Also, Frage 8 an die linke Moralanstalt: Worin liegt die Logik, Sharon als Mörder anzugreifen und sich mit Arafat zu solidarisieren?

Mensch hört jetzt oft, davon, dass es ja verständlich ist, dass die PalästinenserInnen die Hamas gewählt haben. Vielleicht hier aus dem Programm der Hamas zitiert: "'Die Zeit' wird solange nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: 'Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm' und töte ihn."

Frage 9 an die linke Moralanstalt: Wie könnt ihr euch Antifaschisten nennen und so etwas verstehen? Seid ihr wirklich so ein liberaler Haufen geworden, der für alles Verständnis hat?

Vor kurzem hat eine Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz stattgefunden, bei der 20 Leute anwesend waren, als ich Leute fragte, warum sie da nicht hingehen, hörte ich: "Dort rennen Leut mit Israelfahnen herum, ich will mit keiner Fahne marschieren unter der Blut fließt." Das ist deshalb so "lustig" weil es die selben Leute sind, die mit PLO-Schals herumrennen. Und während Israel einfach eine Nation ist, in der sich von fortschrittlichen bis zu reaktionären Kräften, alles sammelt, steht die PLO für einen Terror, gegen ein Volk.

Also Frage 10 an die linke Moralanstalt: Wenn ihr das Blutvergießen so ablehnt, warum sich dann mit Terrororganisationen solidarisieren?

Zum Abschluss möchte ich noch eines sagen: Als Kommunist glaube ich an eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes und an eine solidarische Gesellschaft auch im Nahen Osten. Leider sind wir noch nicht so weit und bis dahin rufe ich die linke Moralanstalt dazu auf, sich endlich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen, anstatt einen ideologischen Krieg gegen das "böse" Israel zu führen, ohne darüber nachzudenken. Ich weiß, dass sich viele Linke durch diesen Artikel angegriffen fühlen werden, löst das einen Nachdenkprozess aus hab ich mein Ziel erreicht, löst es nur beleidigt sein aus - Tja, so leid es mir tut, aber es tut mir nicht leid.

Freiheit und Shalom!

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