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Wenn der Marxismus zur Weltanschauung verkommt   
Sunday, 19. March 2006 @ 06:07

DiskussionsgrundlagenSo notwendig es ist, dem quasireligiösen Gewäsch des Bundesvorstands der KP?- in punkto "Friedensfragen" mit 1000 und mehr Fragen zu kontern, so notwendig ist die Kritik einer "marxistischen Weltanschauung" als angeblichem Gegenpol.

Von Kosmonaut

Welche Fehler dabei herauskommen, wenn der Marxismus zur Weltanschauung regrediert, kann z. T. anhand des Textes "Lasst uns 1000 Fragen stellen!" vom Genossen Kurto Wendt (im Folgenden: K.W.) ersehen werden. Dabei möchte ich nur auf die aufgeworfenen Fragen nach einer marxistischen Weltanschauung, dem ?oebergang zum Sozialismus, der Niederlage der UdSSR und dem richtigen Zeitpunkt für eine Revolution genauer eingehen. Bei Klärung dieser Fragen wird hoffentlich ersichtlicher, dass die Fragen nach dem "nomadischen Kapital", nach Partizipation, nach der Entwicklung der Kommunikations- und Lebensformen, der Entfaltung des Kreativpotentials, etc. nur mehr von einer postmodernen Sichtweise aus interessant erscheinen. Weltanschaulichen Marxisten erscheint die Globalisierung als etwas Neues und manchmal hoffen sie, dass der technische Fortschritt, d. h. die Produktivkraftentwicklung quasi schleichend bzw. durch die Hintertür den Sozialismus einführt. Das sind trügerische Hoffnungen aufgrund verkehrter Vorstellungen über den realexistierenden Kapitalismus.

Niemand braucht eine moderne marxistische Weltanschauung, schon gar nicht Kommunisten und Kommunistinnen! Die ist ebenso quasireligiös, wie der Bewegungsfetischismus und die Marxexegese. (K. W. redet aber einem Experimentierfetischismus das Wort.) Weltanschauung ist Ideologie, ist Vorurteil, sind Scheuklappen, also eine eingeschränkte Weltsicht. Man stellt sich in einer vorher festgelegten Art und Weise zur Welt. Man möchte die Welt durch eine bestimmte Brille sehen bzw. von einer bestimmten Warte aus betrachten. Das schließt Nüchternheit und Unvoreingenommenheit aus. Marxistinnen und Marxisten müssen jede Ideologie bekämpfen. Wenn der Marxismus zur Ideologie verkommt, dann ist bereits der Wurm drinnen. Zur Kritik ist er dann nicht mehr fähig; zum Aufstellen von Dogmen aber taugt er umso mehr.

Das erste Dogma lautet, dass wir uns in einer ?oebergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus befinden! K. W. liefert für diese starke Behauptung leider kein einziges Argument, außer, dass die freie Software als Vorbote des Sozialismus gelten kann. "Unter Umständen", wie er ernsthaft anmerkt. Eher erkennt das Proletariat "unter Umständen" - welche? - seine Lage und wer sollte es dann noch aufhalten? Der Sozialismus soll sich über freie Software in den Kapitalismus einschleichen. Hier scheint der Wunsch Vater des Gedankens zu sein. (Gleichzeitig strebt der Kapitalismus nach weiterer Entfaltung. Dass da ein Widerspruch zum ersten Punkt besteht, fällt K. W. nicht auf! Was jetzt? ?oebergang oder weitere Ausdehnung? K. W. wird doch nicht wie Gorbatschow argumentieren wollen, für den die Einführung des Kapitalismus in der UdSSR ein Fortschritt zum Sozialismus war!) K. W. listet eine Reihe von Entwicklungen auf, ohne auf die Bedeutung genauer einzugehen. Was bedeuten etwa die Monopolisierungen? Es gibt auch wieder Entmonopolisierungen, Umbau und Neubildungen. Der Monopolisierungsgrad war vor 1914 auch groß. Und will er allen Ernstes behaupten, dass es "Konkurrenzkapitalismus" nur mehr in der Landwirtschaft gibt? Er bringt mit seinen Aufzählungen, wie etwa das Versiegen der Ausbeutungsquellen das Gespenst des "tendenziellen Falls der Profitrate" wieder aufs Tablett. Die von K. W. zur Sprache gebrachten Krisen sind keine Krise DES Kapitalismus, sondern das notwendige permanente Elend der ihm Unterworfenen.

In Wirklichkeit sitzt der Kapitalismus fester im Sattel, als je zuvor. Und das, was so manche "antiimperialistische" Linke für einen ?oebergang halten mögen, schaut eher wie ein Wechsel zur (vormodern anmutenden) Barbarei aus. Sozialismus ist nicht in Sicht! Es stimmt, dass der Untergang der Sowjetunion kein Gegenbeweis für die Unmöglichkeit des Sozialismus ist. Schon allein deswegen nicht, weil die Sowjetunion mangels Sozialismus zugrunde ging. Es hat den Anschein, als wären die Revolution 1917 und ihre Verteidigung fast das einzig revolutionäre daran gewesen. Danach erfolgte meist nur mehr eine Entwicklung zurück zu (Staats-)Kapitalismus und Nation. Jede Reform brachte sie weiter auf einen nationalistisch-staatskapitalistischen Weg. Der Todesstoß, der gleichzeitig die Krönung der Reformen war, wurde ihr von Gorbatschow mittels Perestroika und Glasnost versetzt. Gorbatschow und seinen Mannen erschien der Kapitalismus als die höchste Form des Sozialismus! Sie sahen ein, dass der Kapitalismus immer bessere Ergebnisse erzielte, als ihre realsozialistische Planwirtschaft. Jede Reform die die Planwirtschaft mit "marktwirtschaftlichen Elementen" versetzte war ungenügend im Vergleich mit dem Westen. Wenn Sozialisten endgültig Geldbeträge und internationale Durchsetzungsfähigkeit zum Erfolgskriterium machen, statt Gebrauchsgüterproduktion und deren Verteilung, warum sollten sie dann nicht gleich zum kapitalistischen Schmied gehen, anstatt zum planwirtschaftlichen Schmiedl? Dachte sich wohl Gorbatschow - und machte es. In seiner eigenen Vorstellung ist er wohl immer noch "Sozialist", obwohl alle seine Reformen praktisch darauf abzielten, bürgerliche Verhältnisse einzuführen. Gerade er vertrat eine moderne marxistische Weltanschauung und war obendrein noch ziemlich experimentierfreudig.

Und K. W. irrt auch bezüglich eines richtigen Zeitpunkts: Es gibt für eine Revolution keinen richtigen Zeitpunkt! War der Zeitpunkt etwa 1917 günstig? Hätten die Bolschewiki angesichts der weißen Konterrevolution und 19 Interventionsmächten nicht kapitulieren sollen? Wenn Lenin auf den richtigen Zeitpunkt und günstige Produktivkräfte gewartet hätte, dann hätte er erst gar nicht anfangen dürfen.

Es braucht für eine Revolution in erster Linie genügend Leute, die das wollen. Wollen können sie nur, wenn sie einsehen, dass die kapitalistischen Verhältnisse den meisten Leuten nicht gut bekommen. Eine Kommunistische Partei ist optimalerweise eine Werbeagentur für den Kommunismus. Sie liefert nüchterne Erklärungen über das Weltgeschehen und räumt alle Ideologien weg, die den Blick auf die realen Verhältnisse verstellen und erfindet auch keine "richtigen Weltanschauungen" dazu. Als ob es nicht schon genug falsches Bewusstsein - eine genauere Definition für Ideologie - in allen Spielarten, auch in kommunistischer, gibt.

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