Wollen wir uns eine Revolution kaufen oder stehlen wir sie lieber?

Friday, 24. March 2006 @ 12:32

Die Revolution des Denkens gibt es längst, Karl Marx und die Bourgoisie sind die antagonistischen Urheber derselben. Eine Antwort auf Kosmonaut und ein paar Reflexionen zur Praxis

von Nora

Das Wollen ist ja nun tatsächlich eine schöne Kategorie, sie kommt laut Kosmonaut aus dem Wissen. Wenn etwa jemand ein Auto "will", dann "weiß" er, daß er es als Transportmittel benötigt und "klärt sich darüber auf", welches Modell seinem Geldbeutel, Platzbedarf und Transportbedürfnis am angemessensten ist. Das objektive Bedürfnis steht hier meistens als Motiv der Kaufentscheidung im Vordergrund. Ob aber dieses Bedürfnis ein gesellschaftlich hergestelltes ist, darüber gibt sich der Käufer aus unserem Beispiel wohl selten Rechenschaft, denn erstens braucht er, was er "will" und zweitens ändert seine Kritik am polit-ökonomischen Zusammenhang, welcher ja erst den privaten Bedarf herstellt, wenig an seinem unmittelbaren Zwang, etwa zur Arbeit fahren zu müssen, weil kein geeigneter öffentlicher Transport zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass sein "Wollen" hier seinem unmittelbaren Zwang zur Verwertung seiner Arbeitskraft korrespondiert. Er hat mithin ein "Interesse" am Erwerb eines Autos, der über das bloße "Wollen" im Sinne eines "Begehrens" hinausgeht. Wir leben in einer schönen Warenwelt und der Tausch von Waren bedeutet die Zwieschlächtigkeit von notwendigem Bedürfnis zur Selbsterhaltung und "Wollen".

Wie sieht das nun mit Kosmonauts "revolutionärem Wollen" aus? Da genügt schlicht das "Wollen", das aus dem "Wissen" resultiert, mithin soll Kosmonauts Revolution das Wissen befriedigen, ohne dass die objektive Notwendigkeit irgendeine auch nur minimale Rolle spielt. Der "stumme Zwang" der Verhältnisse ist für Kosmonaut einfach durch Einsicht in dieselben überwindbar. Falls also unser Autokäufer einsieht, dass ein gesellschaftlicher Zwang ihm nahelegt, ein Auto zu kaufen, hilft es ihm dann, wenn er entweder den Autoladen abfackelt oder die Autobahn sprengt oder den weiten Weg zur Arbeit zu Fuß zurücklegt oder seinen Job kündigt, um bei gegebener Arbeitslosigkeit in seiner Wohnumgebung genau nichts zu finden, um seinen Broterwerb zu bestreiten? Oder sollte er jetzt nicht eigentlich die Revolution starten?

Wenn aber das "Wollen" ohne zwangsläufig notwendiges Interesse auskommen muss (bei Kosmonaut wird es durch ein reines Sollens-Postulat ersetzt), bleibt die Aufgeklärtheit in die Notwendigkeit der Aufhebung des Kapitalverhältnisses eine rein theoretische und dieser lässt sich nicht mal die Aufgeklärtheit des Himmels gleichsetzen, welche ja immerhin im objektiv "schönen Wetter" sich darstellt. So gesehen können seine Revolutionäre ruhig auch bei Schlechtwetter am falschen idealistischen Bewußtsein scheitern, mit dessen Hilfe sie ja jederzeit das schöne Wetter postulieren können (und wohl auch tun, denn das Wetter hat sich schliesslich gefälligst der Revolution anzupassen) - ob es nun tatsächlich stattfindet oder nicht bleibt sich gleich.

"Ein anderes Wetter ist möglich" - jederzeit und immer!

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