Inhalt und Form - eine zitatförmige Anmerkung zur linken Spaltung von Theorie und ßsthetik oder Der Kopf der Leidenschaft

Sonntag, 9. April 2006 @ 17:20

Die Blei- und Buchstabenwüsten linker Gesellschaftskritik lassen selbst die Taklamakan als inspirierten Landstrich erscheinen, zumindest die Pracht ihrer Sand- und Gesteinsformationen enthält inhaltliche Aussagen fruchtbarster visueller geologischer Phantasie. Die Form gewisser "theoretischer" Texte offenbart allerdings den wenig ansprechenden Inhalt geistiger Diarrhoe. Die Form gibt dem dialektischen Denken stets Auskunft über ihren Gehalt: sei es nun der benutzte Jargon oder die seitenweise Wiederholung marxistisch-leninistischer Merksätze, deren ständige Beschwörung darauf verweist, dass deren schriftliche Niederlegung ihre Prediger der begriffenen Anwendung in der Praxis enthebt.

"Selbst für die avanciertesten Formen materialistischer Kritik scheint diese Spaltung (in Gesellschaftstheorie und ßsthetik; Anm.) heute nach wie vor zur selbstverständlichen Geschäftsgrundlage zu gehören und die notwendigen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, damit ebenfalls: die Geringschätzung der Form, in der sich ein Gedanke notwendig mitteilen muss und die sich in schlampiger Sprache indiziert und damit entschuldigt wird, dass es ja, wie die altlinke faule Ausrede lautet, auf den 'Inhalt' ankäme; eine Haltung, die statt in Erkenntrnis FREI zur Sache sich zu verhalten, bei Theorie Deckung sucht, von ihr Unterschlupf und geistiges Obdach erwartet; die damit einhergehende Illusion, über die jeweiligen Gegenstände und über die eigene Erfahrung zu verfügen, die Welt gleichsam geistig kommandieren zu können; die Behandlung von Wissen als eines abrufbaren Corpus' von Merksätzen; vor allem aber die Haltung, aus der heraus man Erfahrungen, die einem nicht sofort und unmittelbar durchsichtig sind, Misstrauen und Abwehr entgegenbringt, um sich dafür lieber an schale und phrasenhafte Rationalisierungen zu klammern, die scheinbar Gewissheit und Präzision versprechen.

Der ästhetischen Erfahrung ist ungeschmälerte, selbstkritische Erkenntnis darin verwandt, dass sie jenem BED?oeRFNIS NACH R?oeCKENDECKUNG, NACH ABSOLUTER GEISTIGER SEKURITßT UND DEM DARIN INBEGRIFFENEN RATTIONALISIERUNGSZWANG ENTGEGENTRITT. Erkenntnis, die IM ERNST ZßHLT und die wahrhaft sprengenden Charakter hat, ist keine strategische Anordnung, in der vorab alles entschieden, die nach unmittelbat einsichtigen Zweck/Mittel-Kriterien organisiert wäre, sondern gleicht einer Passion, von der man nicht loskommt und der man sich ohne Reservation, aber wachen Sinnes überlässt, ohne dass genau absehbar wäre, wo sie einen hinführt."

C. Nachtmann

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