Kundgebung zur Befreiung von Auschwitz

Dienstag, 30. Jänner 2007 @ 09:42

An der heurigen Kundgebung am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz nahmen ca. 30 Menschen teil. Herr Mag. Raimund Fastenbauer, Generaldirektor der IKG-Wien, richtete sich mit einer sehr prägnanten Rede an die überwiegend linken KundgebungsteilnehmerInnen:

"Meine Damen und Herren,

ich bin Ihnen dankbar hier sprechen zu können, heute am Holocaustgedenktag, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. Warum ist das immer wieder notwendig ??

Man sollte eigentlich meinen, dass Auschwitz, das Symbol für die Massenvernichtung der Juden einen derartigen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte dargestellt hat, dass eine Wiederholung denkunmöglich erscheint.

Dem ist zusehend nicht mehr so.

Wovon spreche ich ?

Ich spreche nicht von den durch Schmisse hirnbeschnittenen Wehrsporthelden und einem englischen Holocaustleugner der von seinem Anwalt in der staatlichen Wiener Zeitung verteidigt wird.
Die Dummheit und Gemeinheit der Alt- und Neonazis sind auch nicht altersspezifisch, wie uns manche glauben machen, sondern lösen bestenfalls bei manchen genetische moralische Defekte aus, die sie in allen Altersstufen begleiten.

Das ist ärgerlich, aber nicht bedrohlich.

Ich spreche davon, dass in den Jahren nach 1945 nach Auschwitz es notwendig war den gesellschaftlich natürlich weiter vorhandenen Antisemitismus zu verdrängen, diesen zu modifizieren,denn gegen die Juden als Juden etwas zu sagen, war nicht mehr direkt mehrheitsfähig. Das war einfach zu arg.

Leider hat auch der Stalinismus den Weg gezeigt, wie dieses scheinbare Problem zu lösen ist.Man musste Jude nur durch Israel oder Zionismus ersetzen, und es war und ist schon wieder möglich.

Heute erscheint es durch die atomare Aufrüstung der Holocaustleugnerregime in Teheran das zur Vernichtung Israels aufruft nicht nur verbal sondern auch faktisch potentiell wieder möglich, erneut einen Holocaust nicht durch den Rauch der Verbrennungsöfen aber durch den Rauch von Atombomben wieder anzudenken.

Die Aufregung und der Protest sind gemäßigt, die europäischen Staaten haben ob der wirtschaftlichen Interessen ihrer Konzerne kein Interesse an echten Sanktionen gegen den Iran und die sogenannte antiimperialistische Linke die sich mit jedem nationalistisch faschistischen Regime wie dem der Baathisten, sofern es nur antiwestlich ist solidarisiert, sprechen der jüdischen Nation als einziger eine nationale Daseinsberichtigung ab.

Nicht nur das. Es kommt zu einer Solidarisierung mit Bewegungen, die würde es sich um etwas ähnliches am christlichen Sektor handeln, als reaktionär und klerikal bezeichnet werden würden, wie der Hamas oder Hizbollah.

In diesem Sinn ist es wichtig, gerade für Angehörige einer Bewegung die in der Vergangenheit einen hohen Anteil an jüdischen Intellektuellen hatte, dies zu erkennen, die richtige Schlüsse aus eigenen ideologischen Fehlentwicklungen zu ziehen und sich mit der richtigen Seite zu solidarisieren.
Dies geschieht hier.

Mögen die Antisemiten unserer Tage ebenfalls in ihren eigenen Trümmern verrecken, wie der Nationalsozialismus in den Trümmern des Führerbunkers der Reichskanzlei im befreiten Berlin."

 


Und hier der Aufruf der Go Dogma zur Kundgebung:

Am 1. November 2005 bestimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 60/7 den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Das Datum des 27. Januars wurde als Internationaler Holocaust-Gedenktag ausgewählt, da sich an diesem Tag die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Nazis in Auschwitz-Birkenau (Polen) durch die sowjetische Armee im Jahr 1945 jährt.

Auschwitz hat sich aber auch als Metapher für das Unternehmen der Auslöschung der Juden und Jüdinnen etabliert, für die Organisationsmaschinerie und die damit verbundenen Praxen und Politiken auf der Makro- und Mikroebene. Die Befreiung von Auschwitz steht deshalb für die Beendigung der gesamten nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, die auch Angehörige der Roten Armee, Sinti und Roma, Homosexuelle, Polen und Polinnen, sozial Unangepasste, politische Oppositionelle, ZeugInnen Jehovas und andere christliche AktivistInnen umfasste. Eine Unternehmung, die in der historischen Verantwortung der daran Beteiligten liegt, was konkret heisst: in der Verantwortung Deutschlands und ?-sterreichs. "Nie wieder Auschwitz" bedeutet damit, auch das Beteiligtsein der einzelnen, konkreten Personen kritisch in den Blick zu nehmen und nicht mit Hinweis auf Weltgeschichte und ökonomische Zusammenhänge herunterzuspielen oder ganz zu übersehen. Auch bedeutet es, sich mit "Sühne" als folgerichtigem Moment von sich-schuldig-gemacht-haben nicht in verlogenen Abwehrhinweisen und instrumentellen Reinwaschungspolitiken auseinanderzusetzen. "Nie wieder Auschwitz" bedeutet auch die Shoa nicht für eigene Befindlichkeiten und als billige Rechtfertigung für tagespolitisches Handeln zu instrumentalisieren und mit Vergleichen schnell bei der Hand zu sein. Die schleichende Banalisierung von Auschwitz beginnt hier und in den unzulässigen aber nichtsdestotrotz von Medien und PolitaktivistInnen viel sagend häufig geübten Praxen des Vergleichs hauptsächlich im Kontext des Nahostkonflikts.

Die Rote Armee und die Sowjetunion haben unter gewaltigen Opfern einen wesentlichen Teil zur Niederlage des Nationalsozialismus beigetragen. Es darf nicht vergessen werden, dass ein Teil der nationalsozialistischen Vernichtungsaggression auch gegen die Menschen gerichtet war, die in der Sowjetunion lebten:

Hauptsächlich aber richtete sich die nationalsozialistische Wut gegen Juden und Jüdinnen. Deren physische Vernichtung war Anfang 1942 unter dem Codewort "Endlösung" auf der Wannseekonferenz beschlossen worden und wurde seither durch eine Koordination aller logistischen Kräfte in Hinblick auf eine Effizienzoptimierung aller beteiligten nationalsozialistischen Instanzen nachdrücklich vorangetrieben. Diese Vernichtungslogistik erfasste fast alle in Europa lebenden Juden und Jüdinnen. Nur wenige europäische Länder waren in der Lage überhaupt Flüchtlinge aufzunehmen, wobei es hier teilweise sehr restriktive Praxen gab. Allerdings hätte wohl auch eine liberalere Flüchtlingspolitik nicht alle retten können, da der nationalsozialistische Krieg die Nazis auch in die Gegenden brachte, in die sich viele jüdische Flüchtlinge anfangs hatten retten können und ihnen weitere Fluchtwege versperrte. Abgesehen davon wurde vielen Juden und Jüdinnen die Gefahr, in der sie schwebten nicht oder zu spät bewußt und auch die Möglichkeiten zur Flucht waren für viele gering bis nicht vorhanden.

Viele jüdische Menschen waren auf Gedeih und Verderb der Politik jener europäischer Staaten ausgeliefert, denen sie als StaatsbürgerInnen angehörten und wurden durch deren Kollaboration mit dem "3. Reich" der Vernichtung preisgegeben. Es gab kaum einen vom Nationalsozialismus mit Krieg überzogenen Staat, der sich den Schutz der Juden und Jüdinnen zur Priorität gemacht hätte und es scheint, dass die Vergangenheitsbewältigung der europäischen Gesellschaften nach der Niederlage des Nationalsozialismus und des Mussolini-Faschismus diesen Mangel an Hilfe für die Bedrohtesten dieser mörderischen Ideologie nicht ins Auge zu nehmen gewillt war und ist. Sechs Millionen ermordete Juden und Jüdinnen waren Opfer einer Politik, die ihre Menschenverachtung und ihren mörderischen Antisemitismus bereits kurz nach ?oebernahme der Regierungsgeschäfte in Deutschland 1933 zu erkennen gab, für aufmerksame und politisch engagierte Menschen auch schon davor. Und trotzdem fragte sich nach dem Krieg niemand, wie das zugehen konnte, dass es für sechs Millionen Menschen, die für ihre Ermordung aus ganz Europa zusammengeholt wurden, kaum Interesse und Aufmerksamkeit gab. Diese sechs Millionen hat niemand gerettet und selbst konnten sie sich nicht retten, und trotz der riesigen Anstrengungen jüdischer Hilfsorganisationen war für die jüdischen Kräfte die Aufgabe zu gewaltig. So war die einzige wirksame Hilfe, dem Morden Einhalt zu gebieten, der Vormarsch der Roten Armee, die die im Osten gelegenen Konzentrationslager befreite und die Einsatzgruppen entwaffnete und schlußendlich der Sieg der Aliierten über die nationalsozialistische Volksgemeinschaft.

Wer nach diesen Erfahrungen vom organisierten Mord an Millionen und den Schwierigkeiten der Rettung wenigstens eines Teiles der Opfer für die Solidarität mit Israel gegen Angriffe auf seine Existenz Bedingungen stellt, stellt auch für die Rettung des je einzelnen jüdischen Lebens Bedingungen. Israel ist der einzige Staat der Welt, der immer Hilfe und Lebensrettung für Juden und Jüdinnen bereitstellen wird.

In seinem Plädoyer für den Staat Israel vor der UNO durch den sowjetischen Aussenminister Gromyko klingt diese Schlussfolgerung aus Auschwitz auch an: "The fact that no western European State has been able to ensure the defense of the elementary rights of the Jewish people, and to safeguard it against the violence of the fascist executioners, explains the aspirations of the Jews to establish their own State. (...) It would be unjustifiable to deny this right to the Jewish people, particularly in view of all it has undergone during the Second World War."

Wir leben in einem Staat, der zwischen 1938 und 1945 Teil des mörderischen Gebildes war, das sich selbst als das "Dritte Reich" bezeichnete und dessen BewohnerInnen ohne fremde Hilfe weder in der Lage noch zum allergrößten Teil willens waren die Souveränität dieses Staates von sich aus wieder herzustellen.

Es muß unsere Aufgabe sein, die Erinnerung an die grauenhaften Folgen dieses katastrophalen Scheiterns und die endemische politische Insuffizienz der Bevölkerung wach zu erhalten, in der Hoffnung, daß sich die Nachgeborenen der Generation der TäterInnen mehr um Mut, Gewissen und gesellschaftspolitisches Urteilsvermögen bemühen werden.

Die Kundgebung wird unterstützt von: monochrom, BAGRU-POWI, Infoladen 10, LILI - KSV Wien,LOGO, Heribert Schiedel, Go Dogma.

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