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Geschichte bewältigen, ...   
Saturday, 22. March 2008 @ 00:28

Gastbeiträge... nur nicht begreifen!


Das Zitat für den Diffamierungstitel „Pröbstling des Monats Februar“ stammt aus einer Debatte darüber, ob ein „Blick auf die Geschichte“ notwendig ist, um Begriffe und Geschehnisse der Gegenwart verstehen zu können. So mancher Genosse bzw. Genossin geht gleich in die Mitte – weil er oder sie sich hinten und vorne nicht auskennt, wie die verrückte Anmerkung beweist – und reißt einen Satz (das ganze Zitat findet sich unten)* aus dem Zusammenhang. Denunzieren will eben gelernt sein. Dieses gründliche Missverständnis erfordert ein paar klärende Worte über die Vergangenheitsbewältigung.

Man muss über die Geschichte tatsächlich nichts wissen, wenn man sich mit dem Hier und Jetzt beschäftigen will. Wenn man über die österreichische Demokratie heute etwas wissen will, muss man nicht unbedingt etwas über den Faschismus, die Monarchie, die Sklavenhaltergesellschaft, etc. wissen. Was nützt der Blick auf die Geschichte, wenn man etwa österreichische Soldaten im Tschad, Preissteigerungen, das Regierungsstreitigkeitentheater, den nationalistischen Protest gegen die EU, die permanente Hetze gegen Ausländer, aber auch die Vergangenheitsbewältigung! – erklären will? Nichts, außer man ist aufs Vergleichen aus und möchte Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestimmen – aber die tragen nichts zur Erklärung der Sache bei!

Das Erinnern an die Vergangenheit hat nicht viel mit der Erforschung geschichtlicher Ereignisse zu tun. Die historischen Fakten dienen als Grundlage für Interpretationen, mit der die gegenwärtige Demokratie - in der Regel – beschönigt wird. Vergangenheitsbewältigung hat mit der Geschichte nur insofern zu tun, als sie das Material für die Bebilderung der Ge- und Bedenkpolitik liefert, das naturgemäß aus der Vergangenheit stammt. Beim Gedenken geht’s, unabhängig ob rechts oder links, ums Interpretieren und Deuten von historischen Fakten, die sowieso feststehen – und die nicht mehr geändert werden können. Tote werden nicht mehr lebendig und ob jemand Entschädigung bekommt und in welcher Höhe, ob jemand verfolgt wird oder nicht, ausgeliefert und vor ein Gericht gestellt wird, oder nicht, hat auch nichts mit der Geschichte zu tun, sondern mit der jetzigen Politik; mit dem heutigen Umgang mit den Taten von früher. Der Blick auf die Geschichte macht auch nicht schlauer, wenn man etwas über den heutigen Umgang mit der Geschichte wissen möchte.

Klar ist, dass man die Fakten schon vorher kennen muss, um sie dann vom gegenwärtigen Interpretationsstandpunkt beurteilen zu können. Dafür dient die Beschäftigung mit der Geschichte; als Voraussetzung für deren Missbrauch für gegenwärtige Zwecke. Historiker werden nicht beschäftigt, um die historischen Fakten zu erforschen und die Sache ist dann geklärt. Historiker tragen die Fakten zusammen, als Voraussetzung dafür, sie dann für die Politik „aufbereiten“ zu können, d. h. für die jeweilige politische Sichtweise – deswegen gibt es historische Sichtweisen, wie es politische Schattierungen gibt; von ganz links, bis hin zu faschistischen Historikern – zurecht legen zu können. Letzterem, viel aufwändigerem, widmen sich Politiker und Historiker ständig, schließlich ändern sich die offiziell gewünschten Sichtweisen mit der Politik dauernd. (Die Änderungen der Sichtweise auf die Geschichte und die daraus folgende Erinnerungskultur sind ein eigenes Kapitel der Geschichtsschreibung, die seit dem Boom der Erinnerungskultur in Mode gekommen sind; vernünftige Auskünfte erfährt man da auch selten, weil sie ebenfalls unter der jeweiligen Sichtweise verfasst sind.) Das so „aufbereitete“ Material dient dann als Grundlage der jeweiligen Gedenkpolitik.

Bei den Gedenkfeiern, die nicht zu Unrecht an Gottesdienste erinnern, hat man den Eindruck, als wollten die Veranstalter die Vergangenheit nachträglich ändern, geschehenes Leid lindern, Niederlagen bzw. Siege feiern oder wettmachen, Massaker ausmalen oder beschönigen, „Schuld“ zu- oder von sich weisen. Tote werden wieder lebendig – zumindest in der Erinnerung. Dazu – und nur dazu - dienen die Beschwörungen und Mahnungen, mithin das gesamte Repertoire der „Erinnerungskultur“. Das ist das Gegenteil einer Erklärung dessen, was und warum etwas passiert ist, welche Vorstellungen und Ziele die Beteiligten damals hatten. Und eine Kritik an den damals Beteiligten und den Zuständen ist es schon gar nicht. Wer „Niemals vergessen!“ fordert, hat nie etwas richtig gewusst. Nicht am sachlichen Inhalt selbst erkennen sie den Gegenstand, sondern an Äußerlichkeiten. Sie „wehren den Anfängen“ auf ewig, weil sie nichts begriffen haben. Faschisten bzw. Nazis etwa erkennen diese „Mahner“ nicht an deren Politik, sondern wenn sie dabei auch Hakenkreuzbinden tragen oder den deutschen Gruß verwenden. Die Geschichte wird missbraucht, um die schon vorher festgestellten, gewünschten „Lehren“ aus ihr zu ziehen. Der Dauerstreit über die „historische Wahrheit“ entbrennt deswegen, weil es so viele „richtige“ gibt, wie es politische Richtungen gibt.

Zur Erinnerung: Dabei geht es nicht um die Geschichte, über das, was geschehen ist, sondern um die Deutungshoheit darüber. Die an „die Geschichte“ gestellten Fragen sind schon sehr vorsortiert, weil die Sieger „die Geschichte schreiben“ und nur deren Deutungshoheit zählt. Nur antifaschistische Fragen - was gleichbedeutend mit demokratischen ist - sind erlaubt, schließlich hat der Faschismus verloren, was schon gegen ihn spricht. „Lehren“ etwa, die Faschisten ziehen, werden gleich von vornherein unterbunden, aber nicht kritisiert. Den Nachweis, dass faschistische Argumente objektiv nicht stimmen und gar nicht stimmen können und dass das der Grund ist, der gegen ihn spricht, verweigern Demokraten, weil so ein Nachweis auch eine Kritik der Demokratie nach sich ziehen würde.

Die einzigen Fragen die gestellt werden dürfen, lauten: Wie hätte Österreich erhalten werden können? War Österreich, waren die Österreicher Opfer oder Täter? Waren die Austrofaschisten Wegbereiter Hitlers oder behinderten sie ihn? Was war mit den Sozis? Warum haben die Parteien nicht zusammengearbeitet? (Wer diese Frage stellt, den interessiert der tatsächliche Gegensatz nicht. Er stellt die Frage nur unter dem Vorbehalt des demokratischen Österreichbewusstseins der Nachkriegszeit). Was haben die Parteien falsch gemacht? Dass sie etwas falsch gemacht haben, liegt für diese den Patriotismus historisch untermauernden Leute auf der Hand, weil Österreich schließlich „angeschlossen“ wurde. Fragen oder Hinweise, ob etwa der „Anschluss“ vielleicht gar nicht schlecht war – der Standpunkt der Nazis -, dürfen gar nicht aufkommen. Solche Fragen nach dem „was wäre gewesen, wenn?“ sind gänzlich unhistorisch. Objektive Hinweise etwa, dass die Erklärung der Geschichte die eine Sache ist und die Koppelung mit dem Ansehen des Landes daher sachfremd ist, kommen bei einer solchen Bedenkkultur erst gar nicht auf. So bleiben die Demokraten mit ihren patriotischen Fragen, was denn nun besser für Österreich gewesen wäre, unter sich. Die Linken argumentieren folgerichtig, wenn sie Dollfuß und Schuschnigg als Beförderer Hitlers darstellen, stehen sie doch dem Gedankengut und der Interpretationsweise der Linken damals nahe. Die besagt, dass Dollfuß und Schuschnigg durch die Ausschaltung der Sozis, sich eines patriotischen antifaschistischen Verbündeten entledigte und es so Hitler leichter machte. Die Christlich-Konservativen haben aber auch ihre guten Gründe für ihre Politik und das Misstrauen gegenüber den Linken: Die Sozis träumten immer von der „Diktatur des Proletariats“ und der Bekämpfung der Kirche, es drohte der Niedergang der traditionellen Werte. Sie konnten ja nicht ahnen, dass es den Linken auch nur um Österreich ging und die Sozis nur vorlaut waren, um bei ihrem Volk zu punkten und nicht daran dachten, das Gesagte auch umzusetzen. Woher sollten die Konservativen das wissen? Schließlich errichteten die Sozis 1918 die Republik, ohne den Kaiser um Erlaubnis zu fragen, zwar keine Räterepublik, aber schlimm genug - und 1934 wagten sie es, sich der Staatsgewalt zu widersetzen. Dass man solche in die Schranken weisen muss, das versteht doch jeder, der für einen starken bzw. souveränen Staat ist. Wenn der Staat nach innen nicht stark ist, wie soll er dann erst nach außen abschrecken? Solche Fragen leuchten rechten und linken Nationalisten ein.

Wer die Fragen so stellt, weiß in Wirklichkeit über die Geschichte fast nichts. Die Absichten, Vorstellungen und Ziele der damaligen Parteien und Personen, kommen nur unter dem jeweiligen politischen Standpunkt zur Sprache – auch noch nach Jahrzehnten. Solche Fragen können tatsächlich nicht beantwortet werden. Aber warum auch? Der Streit um die Interpretation der Vergangenheit geht darum, welche Haltung Österreich besser in der Welt dastehen lässt? Alle Schuld zugeben und sich publikumswirksam vor aller Welt schämen, die linke Sichtweise – Deutschland hat es vorgemacht, wie man damit Erfolg hat - oder mehr auf den Opferstatus beharren? Die Befassung mit Geschichte dient einzig und allein dem Zurechtlügen der faschistischen Vergangenheit für die Glorifizierung der demokratischen Gegenwart.




* Das ganze Zitat - der Genauigkeit halber: „[…] Zum Vorwurf des "unhistorisch": Der Blick auf die Geschichte ist nicht notwendig, weil was früher war, heute nicht mehr ist. Das Heute fällt - und das ist beabsichtigt - dabei aus dem Blickwinkel und mit dem Blick auf die Vergangenheit werden falsche Schlüsse auf die Gegenwart gezogen. Die Geschichte ist eine wichtige Herrschaftswissenschaft, weil sie bekundet, dass das gute (resp. demokratisch-freiheitliche, menschenrechtliche) Heute aus "Lehren" aus der schlechten Vergangenheit herrührt. Die Gegenwart ist immer die "beste aller Welten". Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern, die Gegenwart, die man ändern könnte, soll man nicht ändern, weils sonst wieder wie in der Vergangenheit werden könnte. Das ist der Zweck der "Vergangenheitsbewältigung". […]“.

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Geschichte bewältigen, ... | 1 Kommentar(e) | Neuen Account anlegen
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Geschichte bewältigen, ...
Autor: nora am Wednesday, 26. March 2008 @ 22:36
Ich bin mir nicht sicher. ob der obige Text nicht besser auf der Homepage
der "Gegenargumente" stehen sollte. Jedenfalls ist die dargestellte
Sichtweise des Autors auf die Vergangenheit in der GO Dogma NICHT
konsensual!
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